… ich weiß gar nicht mehr so genau
wie viele Jahre ich Leipzig mein Zuhause nennen konnte, wie viele Jahre ich in dieser Stadt gelebt und gearbeitet habe. Ich glaube 1994/95 hat es mich in diese Stadt verschlagen, bin ich nochmal zur Schule gegangen und habe mich später für den wilden Weg des Studiums entschieden. Am Anfang war es gar nicht so leicht in dieser ‘großen’ Stadt (im Vergleich zu meiner Heimatstadt) zurecht zu kommen. Aber man war noch jung und voller Risikofreude, da machte man sich noch nicht so viele Gedanken um das was kommt oder wie man was bewältigt. Man genoss das Neue, das Große, das Andere.
Doch nun ist es an der Zeit, einen neuen Weg zu gehen und sich von Leipzig zumindest als Wohnsitz zu verabschieden. Mit meiner kleinen Familie hab ich mich nun doch für das um einiges ruhigere Delitzsch entschieden. Die Nähe zu Oma und Opa, die Nähe zur Kindertagesstätte und nicht zuletzt die ruhigere Umgebung geben uns die Hoffnung, dass wir es in Delitzsch etwas einfacher haben werden. Nach so einer langen Zeit ist es nicht so einfach, dem Gewohnten Lebwohl zu sagen, eingeschliffene Strukturen aufzubrechen und durch viel Neues zu ersetzen. Man glaubt gar nicht wie viel Neues es bei solch einem Schritt gibt.
Für uns gab es nat. keine bessere Gelegenheit, als die Geburt unseres Sohnes dazu zu nutzen, unseren Lebensweg neu auszurichten. Allerdings blieb noch eines zu tun, Sven musste gebührend Abschied nehmen von seiner Wahlheimat Leipzig und Sandra half ihm wieder mal dabei. Sandra buchte einen Heli – Rundflug über Leipzig für den Sven und gab mir so die Möglichkeit, Abschied zu nehmen von meiner Stadt.
Also hieß es am 23.10 – Rundflug mit dem Helikopter über Leipzig, um goodbye zu sagen und den Kopf frei zu bekommen für das was kommt. Eines muss man nat. vorweg sagen, wir hatten ein traumhaftes Wetter für den Oktober, die Temperaturen waren bei ca. 17°c und es schien die Sonne. Ein Idealer Tag,, um mit einem kleinen Heli über Leipzig zu fliegen und sich die Stadt von oben anzuschauen.

Wir starteten gegen 13:00 Uhr, packten den Kleinen gut und warm ein und verfrachteten ihn ins Auto. Wir gingen das Risiko ein und nahmen den kleinen Schreihals einfach mit, wir hofften er macht nicht nach der Hälfte der Zeit Terror in seinem Wagen, sondern schläft schön und genießt die frische Luft. Es sollte sich auch heraus stellen, dass unsere Befürchtungen unbegründet waren, Torben hat sich nicht stören lassen und bis nach Hause den Schlaf der Gerechten gefrönt. Also auf nach Taucha, ein kleiner Flugplatz bei Leipzig, da hatte ich meinen Termin und freute mich schon riesig darauf. Auch wenn, wie ich fand,, der Heli schon etwas klein war, oder täuscht das? Aber so lang ich wieder heil zurück kam, sollte es mir egal sein.
Sorry, wenn ich das so einfach ausdrücke, aber es war einfach nur geil. Wieso habe ich das nicht mal eher gemacht?
Schon das Gefühl beim Aufsetzen der Kopfhörer mit der Gegensprechanlage und die ersten Checks durch den Piloten oder das Gefühl der leichte Vibration, wenn der Heli den Rotor andreht und langsam abhebt, bis hin zu dem unglaubliche Gefühl wenn er ein/zwei Meter über den Boden in Schräglage Richtung Ausflugschneise schwebt und sich filmreif beim Leipziger International Airport für seinen Rundflug über Leipzig anmeldet …. großartig. Das ist wie …. keine Ahnung, aber das ist so ein richtiges Männer Ding, was für die ganz großen Kerle
Wie im Film.
Die Aussicht war dank des Wetters traumhaft, wenn auch leicht diesig. Leipzig ist eine unglaublich grüne Stadt durchzogen von seinen großen Parkanlagen und umgeben von den großteils gefluteten Tagebau – Seen. Alle markanten Punkte wurden mit dem Heli angeflogen: Paunsdorf Center, Bahnhof, Uni-Riese mit der neuen Uni-Anlage, alte und neue Messe, Innenstadt mit dem alten und neuen Rathaus und dem markanten Ring rundherum, usw. Alles war zu sehen und die Minuten vergingen wie im Fluge
viel zu schnell! Sollte ich mal in Geld schwimmen, dann werde ich mir wohl einen Heli kaufen und fliegen lernen.
Da mich das mit dem Helikoptern schon immer ein bisschen interessiert hat und ich nun nach meinem Jungfernflug vollkommen begeistert bin, habe ich mich schon mal mit den mini – Ausführungen der Helis beschäftigt. Also die sogenannten RC Helis. Ich arbeite allerdings noch am Genehmigungsantrag und dessen Formulierung, da es eine Sache ist, die mich echt begeistern könnte und vielleicht auch dem kleinen Torben gefallen würde, hoffe ich auf eine schnelle Bearbeitung. Allerdings ist es auch nicht gerade preiswert, wenn man richtig lang Spaß haben möchte und deswegen genehmigungspflichtig durch die Mertanische Zentralbank -> Die Chefin!
ein goodbye ist auch immer ein hello….
oft sagen wir Auf Wiedersehen und genauso oft sagen wir Hallo, immer wieder gehen wir mal andere Wege in unserem Leben und das ist auch gut so, es macht das Leben interessanter und spannender, es bringt neue interessante Menschen in unsere Leben, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist die alten los zu lassen. Nun gehöre ich nicht unbedingt zu den Menschen, welche ständig nach Veränderung streben, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber mit unserem Kleinen war auch für uns und insbesondere für mich klar, dass es einen neuen Weg geben wird.
Mit meiner neuen Heimat Delitzsch werde ich mich nun wohl nach und nach anfreunden. Ich bin schon die ersten Runden mit der Kamera in der Hand gegangen, habe mich umgeschaut und versucht die Stadt für mich auf meine Art und Weise zu entdecken. Auch wenn immer noch viel zu regeln, viel zu tun und zu entscheiden ist, so merke ich, wie ich immer mehr in dieser Stadt ankomme, wie ich mich immer weiter auf sie einlassen kann. Delitzsch hat eine sehr schöne Altstadt, die mit sehr vielen kleinen, wunderbaren Details aufwarten kann und mich mit seiner eigenen Stimmung und dem Licht immer wieder innehalten und den Auslöser drücken lässt.
Eine Stadt wie Delitzsch hat ein so ganz anderes Licht als Leipzig, es gibt keine so großen Häuser, welche schatten werfen und das Licht auf seltsame Weise spiegeln. Es ist wunderbar ruhig, ja abends schon fast still, kein Vergleich zu Leipzig, wo ein ständiges Hintergrundgeräusch auf die Größe der Stadt schließen lässt. Diese Stille glaubt man auch in dem Licht zu sehen, es ist einfach anders als in Leipzig. Die unmittelbare Nachbarschaft ist sehr nett und ich hoffe,dass wir uns ähnlich gut verstehen wie es zuletzt in Leipzig der Fall war. Ich empfinde es im Moment noch ein wenig unpersönlich, in Leipzig gingen die Leute noch offener aufeinander zu, aber vielleicht liegt das auch nur an der noch so neuen Situation, an der neuen Umgebung, an dem neuen Heim.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht, nicht nur mit little T sondern auch mit uns, wie wir uns einleben werden und ob alles so aufgeht wie wir uns das alles am Anfang ausgemalt und geplant haben. Da wir immer noch am dekorieren und gestalten, im umbauen und aufbauen sind, wirkt alles noch so neu und das Gefühl des zu Hause seins kommt nur nach und nach. Aber es fühlt sich gut an, es fühlt sich richtig an und es ist wunderbar zu sehen, wie Sandra von Tag zu Tag mehr Mama wird, wie sie diesen kleinen ‘dicken Schreihals‘ immer mehr liebt und ihm jede Sünde zu vergeben scheint. Es ist wunderbar zu sehen, dass Sandra sich schon wieder zu Hause fühlt, in ihrer Stadt, die Jahre in Leipzig hat sie tapfer hinter sich gebracht und nun ist sie zurück in vertrauter Umgebung. Auch wenn es für sie eine andere Situation ist mit Mann und Kind im Schlepptau, so bleibt es doch Sandras Stadt, mit der sie so viel Gedanken, Gefühle und Erinnerungen verbindet. Man kann sagen …

sie ist mit vollem Herzen angekommen in Ihrer Heimatstadt …. wir alle drei sind angekommen in unserer ‘neuen’ Stadt…
Ich halte euch auf dem laufenden.
Der Sven

